Bergheu

Begriffsbestimmung = Grünlandfutter, das auf dem Feld durch Sonnenenergie fast vollständig getrocknet wird, bezeichnet man als Heu. Mit Hilfe einer Heutrocknungsanlage kann der Landwirt heutzutage etwas feuchter geerntetes Futter am Heulager durch Belüftung nachtrocknen und so vor Verderb durch Schimmelpilze schützen. So bröckeln weniger wertvolle Blätter von Kleearten und Kräutern ab und liefern der Milchkuh wichtige Nähr- und Mineralstoffe. Alte Heutrocknungsverfahren wie z.B. Heinzen sind weitgehend verschwunden, weil hier viele Leute benötigt werden, welche das Futter mit den Händen auf die Stangen aufhängen und abnehmen müssen.

Konserviert werden kann das Futtermittel auch durch die Milchsäuregärung. Dabei muss es luftdicht versiegelt und gelagert werden. Der Bauer mäht das Futter, bringt es gleich ein und siliert es in einem Silo oder presst es zu Futterballen. Nach mehreren Wochen Lagerung ist das Futter vergoren, riecht ähnlich säuerlich wie Sauerkraut und kann an die Milchkühe verfüttert werden.

Walser Bergheu

Das erste Heu liefern die Wiesen, welche im Frühjahr nicht beweidet werden, dann folgen diejenigen die beweidet wurden, was im Tal mit „Sobba“ bezeichnet wird. Dann folgt entweder das Bergheu oder die „Rüüche“ und am Ende der zweite Schnitt das „Oomed“ und bei besonders guten Sommern das „Sobbaoomed“. In der Regel wird im Kleinwalsertal zweimal abgemäht. Einige wenige Bauern machen heutzutage, wenn es das Wachstum zulässt, auch drei Schnitte.

Heu von bester Qualität – noch dazu auf steilen Hängen - zu erzeugen ist aufwendig und verlangt einiges an Wissen. Schließlich sollen die Halme nicht zu stark gebrochen werden, Blätter nicht gänzlich abfallen, der Schnittzeitpunkt muss weise gewählt und das Wetter im Auge behalten werden. Das Heu muss zudem gut trocknen können, am besten in der Sonne am Boden, auf Stangen gehängt oder gut belüftet in der Scheune.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Heu – vor allem hochwertigem Bergwiesenheu – in der Käseproduktion zu.  

Traditionelle Rezepte für das Kochen mit Heu findet man in der gesamten Alpenregion. Dabei wird Heu entweder als Zutat oder als Zubereitungsart verwendet. Für den typischen Heugeruch und -geschmack ist neben ätherischen Ölen das Cumarin (und verwandte Stoffe) verantwortlich.

Heu als Zutat ist lebensmittelrechtlich in Österreich nicht zugelassen, der Verkauf von Heu für Suppe und Heulimo wurde sogar teilweise vom Gesetzgeber verboten. Ein Grund ist die Befürchtung, dass aufgrund der nicht bekannten Zusammensetzung auch Giftpflanzen (Herbstzeitlose, Jakobskraut) im Heu enthalten sein könnten. Trotzdem gibt es Gastronomen, die Heu als Kochzutat nutzen, und als Kräutersalz, in Heu-Essig, -Senf oder -als Sirup wird Bergheu ebenfalls zum Verzehr angeboten. Heu als Zubereitungsart ist weniger problematisch. Das Heubett für das Gemüse oder den Schmorbraten, Kochen im Heusud, Heu zum Aromatisieren oder Räuchern von Grillgut. Es gibt einige Käsesorten, die im Heulager reifen.
Bergwiesenheu riecht zudem wunderbar und soll eine tiefe, regenerierende Wirkung auf den Körper haben.

 Eine Besonderheit sind die Bergmähder. Sie liegen meist über 1200 m dürfen nicht gedüngt und höchstens einmal im Sommer gemäht werden, wobei das Mähgut meist händisch abtransportiert werden muß, um eine Anreicherung an organischem Material zu vermeiden. Das Nachweiden darf erst nach dem 15. August erfolgen. Bergmähder sind ausgesprochen artenreich an Tieren, Pflanzen, Wildkräutern und Wildblumen.

 

Quelle:

Guckloch Walsermuseum

Land schafft Leben

Walgau-wunder.at

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